ZEIT- Reise Impressionen über Birma I

Birma als Reiseziel wird von manchen Agenturen in der derzeitigen Situation so beschrieben: “Das ursprünglichste Reiseland Südostasiens ist geprägt durch seine jahrtausende alte Zivilisation, buddhistische Kultur, traditionelle Lebensweise und eine charmante Gastfreundschaft weit ab von Industrie, modernen Großstädten und Massentourismus.”

Es ist unbestritten, ferne Kulturen haben ihren Reiz, und Reisen ist die Suche nach dem Fremden. Das Fernweh der Deutschen ist dabei ungebrochen “weltmeisterverdächtig.” hatten es die Deutschen Kicker nicht zum WM-Titel geschafft, schafften es die Deutschen immerhin zum “Verreise-Weltmeister”. Das Fremde sucht und findet man auch in diktatorisch regierten Ländern. Gerade hier wird man auf festen Routen zu den Insignien der Macht geführt, der Tourist dankt es mit Devisen.

Ein wenig anders die Rucksack-Touristen. Susanne Weingarten etwa. In ihrem Artikel “Ein Land für die Götter” beschreibt sie eine Reise auf eigene Faust durch das Land, abenteuerlich. Vor Beginn der Reise traten Bedenken auf:

“Die seit Jahren unter Hausarrest stehende Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi hat Touristen aufgerufen, das Land zu boykottieren, weil jeder Besuch das verbrecherische Militärregime unterstütze, das Myanmar seit den sechziger Jahren regiert, seine Gegner bespitzelt, einsperrt und foltert und das Land zu einem der ärmsten der Welt heruntergewirtschaftet hat. Zugleich aber ist die einstige britische Kolonie eines der faszinierendsten Länder dieser Welt mit einer vom Westen nahezu unbeeinflussten, ungeheuer reichen Kultur. Und es gibt überzeugende Gegenstimmen, die darauf verweisen, dass auch das Volk vom Kontakt mit den Besuchern profitiere.”

Welches Gefüge herrscht da, zwischen Volk-Tourist und Militärregierung? Und wer profitiert am Schluß von wem, wer arrangiert sich mit wem? Die Regierung von den Devisen, derTourist von unbekannten Einblicken und Sehenswertem? Sind beide “stille Komplizen“? In seinem Artikel für die ZEIT geht Michael Allmaier im Oktober 2007 genau dieser Frage nach: “Reisen in die Diktatur”– zu Birma schreibt er

“Birma betrat die Welt der Hochglanzprospekte um 1996, als die Militärregierung nach Jahren der Isolation zum Besuch des Landes aufrief. Immer mehr Urlauber folgten der Einladung, zuletzt über 264000 im Jahr, davon 18000 aus Deutschland. Viele konnten Gutes berichten. Bequeme Einreise mit dem Billigflieger aus Bangkok nach Rangun. Hilfsbereite Behörden. Keine Militärpräsenz auf den Straßen, kein größenwahnsinniger Despot, der das Land mit seinem Konterfei pflastert. Dafür prächtige Pagoden, Klöster und Kolonialbauten ohne die üblichen knipsenden Massen.”

Und das Volk? Wie begegnet es den fremden Touristen? 2001 fuhr Rosemarie Noack auf dem Irawady. Sie berichtetete von zwei Welten, die aufeinander trafen:

“Die Nachricht von der Ankunft des Schiffes hat sich schnell verbreitet. Nach der vorausgegangenen Jungfernfahrt der Road to Mandalay ist es für die meisten Einwohner das zweite Mal, dass sie Menschen aus der westlichen Welt zu Gesicht bekommen. Am Ufer stehen Hunderte von Kindern wie eine schweigende Mauer und blicken uns entgegen. Der Weg zum Tempel führt mitten durchs Dorf – durch ein Spalier von neugierigen Männern und Frauen, die uns anstarren.Wir kommen nicht als koloniale Eroberer oder Kreuze schwingende Missionare. Und doch fühlen wir uns wie Eindringlinge. Als wollten wir schamlos fremde Armut in Augenschein nehmen. Wie um ihr Gewissen zu beruhigen, sagt Anny, eine stattliche Lady aus Washington: »Vielleicht haben wir für diese Leute ja einen gewissen Unterhaltungswert.« Den haben wir – ziemlich sicher sogar. Keine Farbe ist zu schrill für unsere Senioren, kein Röckchen zu kurz. Dagegen wirken die Birmanen in ihren Longys, den knöchellangen Wickelröcken, geradezu aristokratisch.”

Die ZEIT selbst bietet 2007 auch eine Reise nach Burma an, laut Programm, hier.

via: ZEIT-Archiv Reise

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