Birma in virtual media 4/08- Wenn aber…

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nochmals aufgegriffen: die Online-Demo und ihre “Folgen”(?)

I Der Plan

Der 12.März sollte es sein.Der “internationale Tag zur freien Meinungsäußerung im Internet” zu dem die NGO “Reporter ohne Grenzen” aufgerufen hatte. Ein Gedenktag in dessen Zentrum eine Mitmach-Aktion per Mausklick stand.

“Im Herbst 2006 rief ROG erstmals zu der Protestaktion «24 Stunden gegen Internetzensur» auf. Damals klickten 40 000 Internetnutzer auf eine interaktive Weltkarte und konnten so die «Schwarzen Löcher des Internets» stopfen. Damit wollen die Initianten einen möglichst grossen Druck auf die Regierungen ausüben, die eine freie Meinungsäusserung im Internet unterbinden. “(20min)
In diesem Jahr nun versprachen sich die “Reporter” eine höhere Beteiligung. Den namhaften Schirmherren UNESCO im Rücken wurde eine Online- Demonstration konzipiiert, für deren kreative Umsetzung und Placierung auf der Webpräsenz der ROG, die namhafte Agentur Saatchi&Saatchi (Werbekonzepte für: Carlsberg, Buenos Aires Zoo, Ariel, Coca Cola und die Webpräsenz des Us-Militärs, s.a. Bob´s Idea Gallery) beauftragt wurde. Am Vorabend der Demonstration interessierten sich wenige für die Struktur der Kooperation.

II Neuland

Eine Demonstration ist eine “in der Öffentlichkeit stattfindende Versammlung mehrerer Personen zum Zwecke der Meinungsäußerung”(wikipedia), basierend in Deutschland auf Art. 8 GG, Versammlungsrecht. Im realen Leben kennt mensch schon seit langer Zeit diese Form des Versammelns, und des “Kämpfens um… oder für..” – Georg Füllbrecht diskutiert einige Formen auf jungle world. Aber virtuell? Online demonstrieren- für viele User das “erste” Mal. Neun beispielhafte Schauplätze hatte sich RoG ausgesucht, u.a. China, Burma und Turkmenistan, die symbolhaft für die weltweite unterdrückte und zensierte Meinungsäußerung, Gefangennahmen von Journalisten, den nicht vorhandenen Internetzugang standen. Ernst Corinth von der Frankenberger Zeitung berichtete live von seiner ganz persönlichen Online-Demo-Premiere:

Bequemer kann man wirklich nicht protestieren. Um kurz nach 11 Uhr heißt es dann pünktlich auf der Protestseite „Join us now“ und nach einem Klick: „Act Now!“ Na klar, dafür bin ich ja gekommen. Anschließend wähle ich mein Demoziel aus, also China, wo schon 119 Leute demonstrieren. Danach muss ich meinen Namen angeben und eine Parole auswählen: „Welcome to the country of censorship!“. Nach einem weiteren Klick erscheint eine Animation mit Demonstranten, auf der ich nun halt auch vertreten bin – irgendwie zumindest. Und das war alles.”

Zwei Tage später hört sich der gleiche Partizipations-Vorgang etwas nüchterner an: Man habe die Seite aufgerufen “um sich per Mausklick auf einen dortigen Demoplatz zu zoomen , aus einer weiteren Liste einen Slogan zu wählen und sich dann per Avatar in die wogende Menge zu werfen.”

III Schattenwurf

Das Online- Ereignisse hatte Schatten geworfen, und massive Zwistigkeiten lagen in der Luft: die UNESCO hatte sich kurzfristig vor Beginn der Aktion aus der Verantwortung der Schirmherrschaft zurückgezogen. Blog-4Burma Netzwerkerin Inadaequat analysierte die Vorkommnisse, recherchierte Statements , wertete lesenswert aus.

Zwei unterschiedliche Positionen kristallisierten sich:

– die UNESCO betonte offiziell: “Die Unterstützung der Aktion sei vorbehaltlich und als ideelle zugesagt worden . Auf den Seiten der ROG hätten Wording und Logo eine wesentliche stärkere Involvierung der UNESCO suggeriert.”
Demnach hätte also “die ROG…ihre journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt zugunsten einer zugkräftigeren PR für ihr Anliegen.”(inadaequat)

– die RoG indes sei davon ausgegangen, dass die UNESCO Interventionen einiger Mitgliedstaaten hätte nachkommen müssen, die sich als “Feinde des Internets” von der RoG hatten brandmarken lassen müssen. Handelte die UNESCO demnach unter Druck?

Der Kölner Stadtanzeiger bescheinigt der UNESCO, ein skandalöses Verhalten an den Tag gelegt zu haben, der Fehler liege jedoch im System, denn Feinde der Menschenrechte wie der Sudan dürfen mit Sitz und Stimme in UN-Menschenrechtsgremien über Menschenrechte befinden. Unter diesen Voraussetzungen ist die Absage für „Reporter ohne Grenzen“ zwar ärgerlich – aber wirklich überraschen kann sie nicht.”

Das dargebrachte Argument der RoG leugne die Institution natürlich, vielmehr sei „das Prinzip“ eines Tages der Meinungsfreiheit eine tolle Sache – nur mit konkreten Veranstaltungen möchte sie nicht verbunden werden. Wenn aber selbst die Staatengemeinschaft für Menschenrechte nicht einmal diplomatische Verwicklungen hinzunehmen bereit ist, wer dann?”

Verdacht auf Unfähigkeit, diplomatische Verwicklungen zu lösen vs. Marketing-Aktion einer NGO also?

IV …wieder Alltag Einen Tag später kehrte relative Ruhe ein. Der Gedenktag war geplatzt, die Online -Demo- trotzdem nur für 24 Stunden angekündigt, noch immer betriebsbereit im Netz- Ergebnisse ergo verfälscht. Der Alltag rief wieder: -Michael Rediske von RoG, gab der Deutschen Welle ein Interview zum Thema Chanchen des Online-Journalismus. Das neue Wirkungsfeld Internet habe, so sagte er, Spielräume geschaffen für Menschen, Journalisten oder auch Aktivisten, die sich vorher nicht artikulieren konnten. Die Eintrittschwelle in die Medienproduktion ist gesunken. Heute kann man mit weniger Mitteln anfangen zu bloggen und kann leichter auch über Staatsgrenzen hinweg Informationen senden oder empfangen. Auf der anderen Seite hat es die Behörden und Regierungen aktiviert, die an oppositionellen Medien und Gruppierungen kein Interesse haben. Die bedienen sich heute nicht nur massiver Verbote, wie etwa in Kuba oder China. Gerade China bedient sich aber auch technischer Hilfsmittel, um Seiten oder einzelne Worte zu blockieren. Das ist ein Wettrüsten zwischen den Aktivisten und den Zensoren.” Über den Tag davor verliert Reske kein Wort.

-die UNESCO Pressemitteilungen im März kreisen um die Themen: “Die schönsten Bücher der Welt” und den “Unesco Welttag der Poesie“, unter der Rubrik “Menschenrechte findet sich ein Verweis auf die Online-Zeitschrift IJMS mit dem Thema “Migration und Integration in Asien“- also auch Fehlanzeige.

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V Ereignisse im B4B dargestellt

Viel Zeit um über den “Demo-Fehlschlag” zu reflektieren, gab es auch historischer Sicht nicht. “Keine Atempause-Geschichte wird gemacht”, Beobachter des Blog4- Burma-Netzwerks berichteten ausführlich lesenswert:

-über den Aufstand in Tibet, und Parallelen zu dem Aufstand in Burma, siehe daburna-Beiträge vom 18.03., 21.3.-1, und 21.3.-2 sowie )

– über das Verfassungsreferendum, lese News HQ vom 27.03.

über den Armed forces day, Feiertag in Burma, eigentlich als “vorletzte Etappe zur Unabhängigkeit” gedacht, jetzt durch Glanz, Pomp und Verlogenheit gekennzeichnet. siehe und lese Inadaequat

-über den Besuch des UNO Beobachters in Burma bei khaipi

– daily updates in spanish and french read with Birmania Libre , Birmainie, mon coeur saigne and on Blouger ou ne pas bloguer?

– zudem stellte Simon von Blogger for freedom das Netzwerk Blog4Burma bei Radio Fritz vor und beschäftigte sich adaequat mit der Frage, ob das Medium Radio an sich(in Burma) Mut machen kann?

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V Wenn aber selbst die Staatengemeinschaft….

Und dann nochmal Luftholen. Rückbesinnung auf die Frage nach dem “Wenn aber…”? Neben einem Forderungskatalog der NGO Human Right Watch, was denn die UN dieser Tage tun solle, (Klarheit!)findet sich eine eine Nachricht des Bieler Tageblattes über das Ende der Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf.

Der Rat, ebenso “Sub-Institution” derUN wie die UNESCO auch, sei ebenfalls in die Kritik gekommen. “Während der ganzen vier Wochen wurden einzig Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea, Burma und in den palästinensischen Gebieten verurteilt.” Die Arbeitsweise sei beklagenswert gewesen. Versuche aktuelle Gespräche wie etwa über Tibet, aber auch Burma oder zu führen, scheiterten: “ Der chinesische Botschafter unterbrach im Rat jeden Sprecher.

Ratspräsident Doru Romulus Costea verglich den Rat gar mit der in Verruf geratenen Menschenrechtskommission der UNO, die vor zwei Jahren durch den Menschenrechtsrat ersetzt worden war.”

VI Wiederholungsmantra zur Diskussion freigegeben

Wenn aber selbst die Staatengemeinschaft für Menschenrechte nicht einmal……, wer dann?

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3 Responses to “Birma in virtual media 4/08- Wenn aber…”

  1. Bloguer ou ne pas bloguer ? Says:

    Bassine toi même !

    Blogs4Burma : Burmas Diktator will “Vernichtung aller Gegner”. Birma in virtual media 4/08- Wenn aber … Birmanie : les messages d’Aung San Suu Kyi.
    Je vous bassine peut-être avec ça, mais c’est, pour moi, un aspect im…

  2. BLOG 4 BURMA : Pulitzer- Prize für Foto aus der Kampfzone . Was erzählt uns das ? at in|ad|ae|qu|at Says:

    […] “Referendum” am 10. Mai ein , während Birma News United noch einmal die medialen Reaktionen auf die unrund gelaufene “Online- Demonstration” der “Reporter ohne […]

  3. Blog4Burma: aktuelle Meldung | adaequat Says:

    […] Birma News United zur Online-Demo […]

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