Gambari II

Der vierte Besuch Gambari´s- er war gescheitert. Einstmals nachgerade tollkühne ausgeführte Aktionen, wie etwa das “ausser Landes Schmuggelns” eines Briefes von Aung San Suu Kyi´s im November 2007

“that appealed to the country’s military leaders to put aside their differences with her and to work together on national reconciliation for the sake of the whole country.”(Asian Times)

gehören der Vergangenheit an. Selbst die Verfasserin des Briefes wollte den ehemaligen Aussenminister Nigerias diesmal nicht sehen.

Geht man auf die Suche nach Gründen für das Scheitern, kommen einige mögliche Gründe zusammen. Spurensuche.

I Die Kunst, mediale Präsenz zu terminieren

Das Ehepaar George und Laura Bush hätten ihre Asien-Reise, die Begegnungen mit burmesischen Dissidenten und den burmesischen Flüchtlingen zeitlich nicht besser planen können:

Sie waren beide auf der Durchreise zur Eröffnung der medialen Supershow des Jahres, der Olympiade in Peking.  Bevor sie begann. Was sie also  auf diesem “Zwischenstopp” zu sagen hatten, was sie an Versprechen mit  nach Peking nahmen, und vorab der chinesischen und burmesischen  Regierung via Presse mitzuteilen hatten wurde verstärkt wahrgenommen.  Danach geschrieben und gelesen.(BNU berichtete). Nach dem Aufenthalt in Bangkok ging es weiter nach Peking, die Eröffnungsfeier. Und ein Tross Journalisten und Fotografen, Kameramänner und Frauen flog gewiss mit.

Ibrahim Gambari flog “hinterher” in die asiatische Region. Nachzügelnd sozusagen. Während die ” Medien-Show des Jahres” noch in vollem Gange war, und den  Focus verrutschten ließ- der olympische Geist wehte, und galt medial eingefangen zu werden. Das Medieninteresse nur halb so groß.Die Aufmerksamkeit halb so groß.

Was wäre gewesen wenn die Reise vorgezogener stattgefunden hätte? Wäre er dadurch mehr ins global-medial Interesse gerückt? Hätte er dann mehr bewirken können?

II Die UN unter Druck- Die Sache mit den Hilfsgeldern

Ibrahim Gambari reiste im Auftrag einer Institution, die nur vier Tage zuvor öffentlich zugestehen musste, dass schätzungsweise 1,56 M $ der gespendeten Hilfsgelder für Burma an die Junta “verloren” gegangen seien. Verloren im Umrechnungsdschungel. Verloren im Umrechnungsreglementierungswerk und den Deviseneinfuhrbestimmungen der Militärjunta und  deren komplizierten Reglementierungen.

World News Australia erläutert am 14.08. das Einfuhrverbot der burmesischen Regierung.                                                                                                          Wenn die UN harte US-Dollar ins Land brächte, erhalte es als Gegenwert sogenannte ” Foreign Exchange Certificates (FEC)”, die eigentlich dem Wert eines Dollars entsprächen. Diese können nun in die burmesische Währung Kyat umgetauscht werden

“but they are being changed at a rate of about 900 kyats to one, or 23 per cent less than the current exchange rate of 1,170 kyats for one US dollar”

Bereits Ende Juli hatte man dies vermutet, damals war man jedoch von einem Verlust in Höhe von 10 M$ ausgegangen.

Damals hatte der Independent u.a. darüber berichtet, und den Entschuldigungsversuch des zuständige UN Sekretär “for human affairs”John Holmes, zitiert:

“We were arguably a bit slow to recognise… how serious a problem this has become for us,”

Weiter heisst es:

“Mr Holmes said he did not know where the money was going or who was directly benefiting.” Und dann musste er doch noch etwas zugeben: UN Mitarbeiter hätten ja soetwas schon seit Juni “geahnt”.

Einen Monat später nun berichtet WorldNews Australia, über einen hilflosen UN-Koordinator vor Ort, Daniel Baker. Dieser muß nun zugeben, dass nicht das ganze Geld erhalten wurde, und weiß um die Reaktion der Spender:

“donors are extremely worried and keen to see that this issue is resolved”(Australian World News)

Die Zeitung beschliesst ihren Artikel mit noch einer Zahl:

“Rebuilding Burma’s cyclone devastated regions and providing aid to millions of victims is expected to cost $US1 billion ($A1.14 billion) over the next three years.

Mit diesen Zahlen im Hinterkopf reiste ein US-Gesandter nach Burma “also known as Myanmar”. Reist in das Land um politisch zu verhandeln, ein Schwert des finanziellen Alptraums im Nacken.                                                                          (Aus dem finanziellen Blickwinkel heraus hätte sich Than Shwe aber wenigstens sehen lassen können- um “danke” zu sagen. Die feine englische Art ist das auch nicht unter Diplomaten.)

III Das Militär unter Druck unterdrückt

Als Gambari nach Burma reiste, hatten die Burmesen bereits eine erneute Welle von Repressalien hinnehmen müssen. Die Junta reagierte gewohnt brutal, nachdem innerhalb von nur zwei Tagen

  • Bush Dissidenten traf
  • die olympischen Spiele eröffnet wurden, und damit die kritische Auseinandersetzung des chinesischen-burmesischen Verhältnisses noch kritischer unter die Lupe genommen wurde
  • und nicht zuletzt der Gedenktag der 1988´er Revolte ins Haus stand

An jenem 08.08., dem Gedenktag des Aufstandes von 1988 demonstrierten die Junta einmal mehr ihre Machtpotentiale. Wohlweisslich hatten sie zeitig  dafür gesorgt, daß Kundgebungen und Demonstrationen im Land im Keim erstickten.

Aus den Reihen des Blog4 Burma Netzwerks berichten über den Tag bereits ausführlich:

Adaequat beschreibt, wie schon frühzeitige “Massnahmen”der Militärs sichtbar waren, Kundgebungen zu unterdrücken, Demonstranten zu inhaftieren.

inadaequat stellt historisch -und moralische Verknüpfungen um den 08.08. zussammen, und resümiert umfassend.

Kathy fasst den Tag für französische Leser zusammen

Birmania Libre zeigt Videos und Fotos des Tages

Ergänzend sei hier auf einen Artikel aus der Gulf Times vom 09.08. verwiesen, der dias Vorgehen der Militärs einmal mehr schildert:

“Myanmar’s junta arrested 48 activists yesterday for a protest march marking 20 years since the army crushed an “8-8-88” democracy uprising with the loss of an estimated 3,000 lives, an opposition official said. The group of mainly young men in t-shirts bearing the numbers 8-8-88 – a reference to the August 8, 1988 nationwide revolt – staged a silent walk through the northwest town of Taunggok before being stopped by a police barricade.“They were all picked up and are being questioned at the moment,” Ko Thein Naing, a local official from the opposition National League for Democracy, told Reuters.. “

War es den Burmesen im eigenen Land nicht möglich sich laut zu äußern, taten dies Exil-Burmesen und Sympathisanten im(benachbarten)  Ausland:

“In Bangkok and Manila, dozens of protesters chanted anti-junta slogans, burnt Myanmar flags and waved placards calling for the release of democracy icon and Nobel peace laureate Aung San Suu Kyi..”

siehe über Aktionen im Ausland auch: CNN ” Protest mark Myanmar  anniversery ”

(via Irrawaddy)

IV Un-Endlosschleife

Und die UN? Sie formuliert Forderungen an Than Shwe und diktiert so Gambari´s Marschroute, standhaft diplomatisch .

“The United States is steadfast in its call for Burma’s leaders to immediately release these and all other political prisoners. The regime also must begin a genuine dialogue with the democracy movement’s leaders and ethnic minority leaders on a true transition to democratic government. Improved relations between the two countries depend on the Burmese regime taking credible steps in this direction.”(VoA, am 13.08.)

Gründe mag es ergo viele gegeben haben, warum in den sechs Tagen nicht so recht geklappt hat, mit den heeren Zielen der UN und Mr. Gambari in Burma. Doch wichtig ist, und bleibt “was hinten rauskommt”- und das ist in diesem Fall wenig, und wird schwerstens kritisch reflektiert.

Etwa im Wall Street Journal vom 28.08.

“Why bother? With no real resolve at the U.N. or the Association of Southeast Asian Nations to bring about political change in Burma, Mr. Gambari’s visits are meaningless. The generals recognize that. It’s time the U.N. did, too.”

V zum Schluß- der “Vertipper”

Burma, Birma, Myanmar- man erklärt ja immer wieder gerne,  dass diese drei Bezeichnungen ein und  das selbe Land meinen, fast “spielt” man mit den Synonymen. Wie etwa die Time :

“Burma, also known as Burma….”

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One Response to “Gambari II”

  1. Blog 4 Burma : 1988 | 2008 : Chronik eines weiter scheiternden “Uprise” at in|ad|ae|qu|at Says:

    […] Besuch der Sonderemissärs : vollmunding angereist – “Leaving empty handed” . In einem zweiten Essay zum Thema werden die Hintergründe ausgeleuchtet , vom Timing über die Medienpräsenz bis hin zum […]

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