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7.08.08: vom “Zeichen setzen” und “Exempel statuieren”

August 8, 2008

I Zeichen setzen

“Schnell nochmal Burma/Birma /Myanmar in den Focus der Presse rücken, und Zeichen setzen” schien die gestrige Parole des amerikanischen Präsidenten auf seiner Asien- Rundreise gewesen zu sein.                                                       “Noch einmal Flagge zeigen, bevor es zu spät ist, und der Focus verrutscht. ”

Than Shwe antwortet auf diese Zeichen, und stellt klar: An der klaren Linie seiner Politik lässt sich nicht rütteln. Auch wenn der olympische Gedanke über den Globus getragen wird, und  gerade weil sein Land  am nächsten Tag einen Gedenktag hat: 20 Jahre Studentenunruhen.                                                         So liegen an nur einem Tag in dieser unseren globalisierten Welt Solidaritätsbekundung  und Abschreckung nah beieinander.

II Solidarität

a) Worte im Trocknen

So traf sich George Bush mit burmesischen Dissidenten in Bangkok/Thailand. Nett, dass er dafür Zeit hatte, liest sich das Programm seiner Asienrundreise doch sehr dichtgedrängt.(White House)

In Gesprächen und einer anschliessenden flammenden Rede sicherte er den Freiheitskämpfern zu,

“mit China über die Probleme in Burma zu sprechen”, denn die USA,wolle sich  für  “ein Ende der «Tyrannei» in Burma einsetzen.” Er rief das Regime auf, die seit Jahren unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und alle anderen politischen Häftlinge freizulassen.”(Aargauer Regionalportal)

Bush träfe am Wochenende, ebenfalls zu Gesprächen politischer Natur mit Präsident Hu Jintao, Ministerpräsident Wen Jiabao und Vizepräsident Xi Jinping zusammen.

Ein Mann, ein Gespräch, ein Versprechen:                                                               “We seek an end to tyranny in Burma,”(World News, Australien)

b) as close as…

Indes zeigt sich die First Lady praktischer veranlagt- und wird durch den Regen an der thailändisch-burmesischen Grenze nass.                                                  The “outspoken critic of the junta” (BBC)  besuchte das mit 35 000 Karen-Flüchtlingen besetzte Flüchtlingslager Mae-La an der  thailändisch-burmesischen Grenze.                                                                                              ” So nah an Burma dran war sie noch nie” schreibt die Washinton Post ,  nicht ohne Stolz im Reporterstift, und Begleit-Video auf der Webside, und berichtet über ihren Besuch wie folgt:

“There Laura Bush carried out some first-lady-like activities, sitting in on English and math lessons for students in the Mae La refugee camp…”

USA Today ergänzt:

“Student Saw Aung Nay Lin shyly approached the chalkboard and wrote, a bit ungrammatically: “My life in refugee is better than Burma but I don’t have opportunity to go outside my camp.

Danach besuchte sie das Krankenhaus des Camps unter der ärztlichen Leitung von  Cynthia Maung, ”                                                                                  described by many as the Mother Teresa of Burma, and learned how doctors there treat thousands of poor Burmese for cataracts, missing legs and other problems.” Der Besuch sei Teil einer Kampagne des Weissen Hauses, um den Druck Amerikas auf die Militärregierung zu demonstrieren.

Befragt nach der Situation in Burma, 20 Jahre nach den Studentenunruhen  sagte sie:                                                                                                                           “Twenty years have gone by — everything is still the same or maybe worse in Burma,” she said. “We know that Burma is a very rich country, rich in natural resources. And the junta uses those resources to prop themselves up for their own benefit, not for the benefit of the people of Burma.”

Auf die Frage, warum sie und ihr Mann dennoch zur Eröffnung der olympischen Spiele in ein Land fahren, das international als der grösste Unterstützer und der burmesischen Regierung gelte, antwortete sie:

“As you know, the Chinese depend on a lot of energy imports into China. . . . We urge the Chinese to do what other countries have done — to sanction, to put a financial squeeze on the Burmese generals.…The best solution would be if General Than Shwe’s regime would start real dialogue,” (BBC,Washington Post)

Sprach´s und reiste wieder ab- der Flieger nach Peking wartete.

III  Abschreckung als  Dialogbereitschaft

Derselbe Tag in Burma. Angesichts des bevorstehenden Gedenktages “20 Jahre Studentenunruhen im Land” ist für die burmesische Führung Anlass genug gegeben, zu zeigen was von einer “Dialogbereitschaft” wie von Laura Bush gefordert, gehalten wird- nichts.                                                                         Abschreckung ist besser.

Unruhen hatte das Militär erwartet, und bereitete sich zeitig vor. Der britische Telegraph schreibt bereits am 03.08.:

Thousands of heavily-armed Burmese security forces have been moved to the outskirts of Rangoon days before the twentieth anniversary of an uprising which came close to bringing down the military regime.” Ein westlicher Diplomat beschrieb  die Lage auf den burmesischen Strassen so:

“They are keeping large numbers of security personnel inside the city, out of sight. If they see a single protester in the street he will be picked up in minutes.

Als diese Absicherung organisiert war, verkündete die Militärführung,              “Prime Minister Thein Sein will attend the opening ceremony of the Olympic Games in China.” (Radio Australia)
Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Ein öffentliches Vorzeige-Opfer, das am Pranger der Militär-Justitia steht, gibt es dann pünktlich am Vorabend des Gedenktages.

IV Maung Thura,  genannt Zarganar

Denn an diesem Tag wurde dem regimekritischen Künstler Zarganar(übersetzt: die Pinzette), seit 1986 kritischer Beobachter und extremer Kritiker der Regierung,  der Prozess gemacht. Just an diesem Vorabend des Gedenktages. Verhaftet zu werden war für das Ehrenmitglied des P.E.N. (BNU berichtete)und praktizierenden Kämpfer für die  nichts Neues, doch hatte  er in  Vergangenheit immer mehr oder weniger “Glück gehabt”, die Strafen gemildert, und so wieder frei gelassen.

Jetzt statuierte die Regierung ein Exempel, und erreichte Abschreckung im Volk.Dazu die Times:

“The repressive and secretive junta released no details of the trial of Maung Thura, which took place in a closed court, deep inside the country’s most notorious prison.                                                                                                    His sister-in-law, Ma Hdway, said that the comedian, film director and activist, better known as Zarganar, was charged with five crimes, including unlawful association and creating public unrest.”

Was war geschehen? Nachdem der Zyklon Nargis Anfang Mai in Burma wütete organisierte der unumstritten  beliebteste Comedian und Schauspieler des Landes ein Hilfsnetzwerk für die  Zyklon-Opfer im Irrawaddy Delta auf. Mit Hilfe von Spendensammlungen sollten die dort lebenden Opfer zumindest das Nötigste zum Überleben erhalten: Essen, Trinken, Decken und Moskitonetze. Unterstützt wird er von 400 Freiwilligen. Hilfslieferungen wurden ins Delta gebracht, und überdies auch Filme über den Zustand der Region gedreht- und per Email und DVD verbreitet.                                                                                                   “These gave the lie to the Government’s claim that the disaster was under control and added to anger at its refusal to allow foreign emergency workers into the delta.”, (Times).                                                                                                    Die Militärs fühlten sich bedroht. Doch Zargana ging weiter und gab der Zeitung The Irrawaddy am 02.Juni ein ein Interview über die Arbeit im Delta(unbedingt lesenswert !!)                                                                                                       Daraufhin durchsuchten Soldaten des Militärs sein Haus, Hilfsgelder in Höhe von 1000 $ wurden beschlagnahmt, der burmesische “Charlie Chaplin” festgenommen. (BBC) Doch wieder freigelassen. Und er fuhr wieder ins Delta, um  dort zu filmen. Wieder werden die Filme verbreitet. Als er zurückkehrt wird er verhaftet.

His films included                                                                                                  “scenes in some of remote villages stricken by the storm — heartbreaking, stomach-turning images of rotting bodies, desperate people and government neglect.”(Times)                                                                                                       Eine erneute Verhaftung erfolgte, als er aus dem Delta zurückkehrt. Gestern der Prozess. Ein Schauprozess an geheimen Ort?

This time, it seems, his luck has run out. It could be years, even decades, before the junta decides to free him.”

Am gleichen Tag, wie bereits erwähnt,  in Bangkok. Präsident Bush, seine Rede vor den Dissidenten.

“Er rief das Regime auf, die seit Jahren unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und alle anderen politischen Häftlinge freizulassen.”(Aargauer Regionalportal)

Sprach´s, und flog nach Peking. Olympia wartet, diesmal mit dem Leitmotiv: “One world, one dream”

VII zum Schluß

Zum Schluß- Zeilen aus Zangarnar´s Feder- ein burmesischer Witz,  mit bitterem Geschmäckle. Voilà.

George Bush, Hu Jintao (Präsident der VR China) und der burmesische Militärdiktator gingen zusammen zu Gott.
George Bush fragte Gott: “Wann wird die USA die mächtigste Nation der Welt werden?”
Und Gott antwortete:”Während Deines Lebens nicht mehr !”                         George Bush begann bitterlich zu weinen.

Darauf fragte Mr. Hu, wann China das reicheste Land der Welt werden würde.   Und Gott gab ihm die gleiche Antwort.Ebenso wie Bush begann Hu Jintao an zu weinen.
Zum Schluß fragte ,  Than Shwe, selbsternannter “Vater der burmesischen Nation” Gott, wann Burma endlich wieder genügend Wasser und Elektrizität für sein Volk haben würde.

Diesmal war es Gott, der in Tränen ausbrach:                                                          “In meinem Leben nicht mehr.”

(orginal text at Everyone needs therapy)

In diesem Sinne: Free Zarganar!!

Zensiert! Blogger inhaftiert

February 1, 2008

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I Zensur

„Die Zensur ist das lebendige Geständnis der Großen, daß sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können.“ -Johann Nestroy, österreichischer Schauspieler- ( wikipedia)

II Nay Myo “Phone” Latt

Erstmals wurde nach der Niederschlagung der Demonstrationen im September ein burmesischer Blogger inhaftiert: Nay Myo Latt. Der in Rangoon lebende Geschäftsmann und Betreiber von drei Internetcafés wurde aufgrund seiner kritischen Beiträge in seinem Blog nach einem Jahr Observation am Dienstag aufgrund “Verstössen gegen das Internetgesetz” inhaftiert. Blogger for freedom berichtete in den letzten beiden Tagen mit zwei Beiträgen aktuell über seine Verhaftung.

“Burmesischer Blogger verhaftet”, datiert vom 29.1.

Zum Fall des gestern verhafteten Bloggers Nay Phone Latt” datiert vom 30.1.

II a Update 31.1./Internet-Gesetze Nachdem dem sich in den vergangenen Tagen hauptsächlich englischsprachige Zeitungsquellen mit der Inhaftierung des Bloggers beschäftigen, berichten seit heute auch vermehrt deutschsprachige Quellen darüber. So gab der Kleine Report über die Gründe der Verhaftung heute morgen eine offizielle Stellungnahme wieder: Nay Phone Latt ” habe im Internet über die Schwierigkeiten des burmesischen Alltags mit regelmässigen Stromausfällen und steigenden Lebenshaltungskosten geschrieben. ” so die heute veröffentlichte Aussage eines NDL Sprechers. Heute nachmittag schreibt der Spiegel: “Er hatte immer wieder plastisch und ungeschönt über die Unterdrückung der Meinungsfreiheit geschrieben – bis die Militärjunta dem Anhänger der oppositionellen “National League for Democracy” einen Tag später die eigene Meinungsfreiheit nahm und ihn inhaftierte.” Und der Blogger Tutsi recherchierte, daß er ” nach Prognosen mehrerer Agenturen wohl jetzt einem Schauprozess entgegensehen müssen”.

Eine Pressemitteilung der NGO “Reporter ohne Grenzen” dient vielen Artikeln als Quelle. So schreibt u.a. Focus online über die verschärften Gesetze, die seit Anfang des Monats gelten:

“Auch die letzte freizugängliche Seite für Blogger sei geschlossen worden, hieß es… Demnach müssen Betreiber von Internet-Cafés mittlerweile außerdem die Personalien aller Kunden festhalten. Sie seien darüber hinaus verpflichtet worden, Spionage-Programme zu installieren, die alle fünf Minuten den Bildschirminhalt der Rechner festhalten und an das Informationsministerium schicken.”

Das Land laufe wieder Gefahr ” vom Rest der Welt abgeschnitten zu werden“, erklärte die Organisation Reporter ohne Grenzen. ROG befürchte , so ergänzt der Spiegel, daß die Verhaftung des Bloggers nur der Beginn einer erneuten kommunikationstechnischen Isolation” sei.

Bernd Musch-Borowska vom ARD Studio Singapur fasst die Situation in Birma in seinem Radiobericht zusammen, und geht dabei auch auf den heutigen Feiertag der Revolutionsarmee der Karen ein.(Audio)

III Saw Wai
Der Dichter Saw Wai, so berichtete die FR am 24.1. wurde wegen eines Valentin-Tags-Gedichtes festgenommen. Das Gedicht, in dem es inhaltlich um die Liebe zu einem Model ging, enthielt versteckte Regime-Kritik. “Der erste Buchstabe jeder Zeile ergibt den Satz: General Than Shwe ist verrückt nach Macht

Saw Wai wurde nach der schnellen Entschlüsselung durch die Junta letzten Dienstag verhaftet. Wie Democratic Voice of Burma heute berichtet, ist es der Familie untersagt, den Dichter zu besuchen oder ihm Päckchen zu schicken. ”

“I just wanted to give him some blankets and mosquito nets,” sagte Saw Wai´s Frau Ma Nan San San Aye gegenüber dem Exil-Radiosender. Seit seiner Verhaftung hat sie nichts mehr von ihm gehört.

Das Netzwerk “Blog4 Burma” informiert weiter. 47c9103b4e6112b26bb1e7752d9c307a.jpg

Writers in prison day- Zargana/Burma

November 14, 2007

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Heute ist Writers in prison day- ein Gedenktag für weltweit inhaftierte und ermordete Journalisten und Schriftsteller. Seit Anfang der 1980´er Jahre erinnert das Writers in prison Commitee der P.E.N. jährlich an über 1000 Kollegen. In jedem Jahr wird ein engerer Focus auf Beispiel-Fälle gerichtet.

In diesem Jahr liegt der Focus auch auf dem wohl bekanntesten birmanesischen Schauspieler, Komödianten und Ehrenmitglied des P.EN., Zargana. Ein Portait des “Charlie Chaplin Birmas” aus 2006 gibt es bei der BBC.

24.09.2007 Als Mitglied der Oppositionspartei «Nationale Liga für Demokratie» folgte auch er am 24.09.2007 dem Aufruf der All-Birmanische Vereinigung buddhistischer Mönche («Alliance of All Burmese Buddhist Monks») , die an die Bevölkerung appellierte, sich den Demonstrationen anzuschließen.Das Ziel der Demonstrationszüge war erneut die berühmte Shwedagon-Pagode in Rangun.Laut BBC kamen auch die beiden Schauspieler Zargana und Kyaw Thu zu der Pagode, um Demonstranten Wasser und Lebensmittel zu bringen. Dort wurde er verhaftet.(via Jesus.de)
Die BBC berichtete am 29.09. :” “Zargana, Burma’s most famous comedian, and U Win Naing, a 70-year-old democracy and human-rights campaigner are still in jail along with countless others – no reason given.”

Unterstützung

Amnesty International weist in diesem Zusammenhang auf zwei Forderungsanträge hin, die man unterstützen kann. Beide fordern die Freilassung politischer Gefangenen, die in menschen unwürdigen Umständen festgehalten werden.

– seit dem 05.11. biete amnesty/Schweiz die Möglichkeit, die Forderung online zu unterstützen

amnesty/Deutschland fordert auf, einen Brief oder ein Fax zu schicken. Den Aufruf beschreibt zudem ein Artikel der socialtimes.

Blog Tipp: Simon Columbus hat zu dem heutigen Tag ein sehr intensives  Portrait über den ägyptischen Cyber- Dissidenten Kareem Amer verfasst. Ein Blogger wie Du und ich, möchte man meinen-